Gedanken und Gedichte

Meine Seele spürt,
daß wir am Tore tasten.
Und sie fragt dich im Rasten:
Hast du mich hergeführt?

Und du lächelst darauf
so herrlich und heiter
Und bald wandern wir weiter:
Tore gehen auf…

Und wir sind nicht mehr zag,
unser Weg wird kein Weh sein,
wird eine lange Allee sein
aus dem vergangenen Tag.

Rainer Maria Rilke

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Der Tod lächelt uns alle an, das einzige was man machen kann, ist zurücklächeln!

Marc Aurelius

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Der Tod ist das Tor zum Licht
am Ende eines mühsam gewordenen Lebens.

Franz von Assisi

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Vielleicht bedeutet Liebe auch, jemanden gehen zu lassen,
wissen, wann es Abschied nehmen heißt,
nicht zulassen, dass unsere Gefühle im Weg stehen,
was am Ende wahrscheinlich besser ist für die, die wir lieben.

Sergio Bambaren

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Je schöner und voller die Erinnerung,
desto schwerer ist die Trennung.
Aber die Dankbarkeit verwandelt die Qual der Erinnerung in stille Freude.
Man trägt das vergangene Schöne nicht wie einen Stachel,
sondern wie ein kostbares Geschenk in sich.

Dietrich Bonhoeffer

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Trost gibt der Himmel,
vom Menschen erwartet man Beistand.

Ludwig Börne

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Alles wandelt sich

Alles wandelt sich. Neu beginnen 
kannst du mit dem letzten Atemzug.

Aber was geschehen ist, ist geschehen.
Und das Wasser, das du in den Wein gössest, kannst du nicht mehr herausschütten.

Was geschehen ist, ist geschehen. Das Wasser, 
das du in den Wein gössest,
kannst du 
nicht mehr herausschütten, aber alles 
wandelt sich.
Neu beginnen kannst du 
mit dem letzten Atemzug.

Berthold Brecht

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Wie wir mitten im Leben vom Tode umfangen sind,
so müsst ihr jetzt auch ganz fest überzeugt sein,
dass wir mitten im Tode vom Leben umfangen sind.

Johannes Calvin

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Fallender Stern
Wer sich verlieren
Und wieder finden kann,
Wer sich zerreißen
Und wieder binden kann,

Wer nicht am Stoffe
Und nicht an Menschen hängt,
Wer aus der Irrnis
Zum Lichte drängt;
Der ist des Himmels,
Dem ist die Erde leicht
Der hat hienieden
Vollendung erreicht.

Hermann Hiltbrunner

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Letzte Worte
Geliebte, wenn mein Geist geschieden, 
So weint mir keine Träne nach; 

Denn, wo ich weile, dort ist Frieden,
 Dort leuchtet mir ein ew’ger Tag!


Wo aller Erdengram verschwunden,
 soll euer Bild mir nicht vergehn und Linderung für eure Wunden,

für euern Schmerz will ich erflehn.
 
Weht nächtlich seine Seraphsflügel, 
der Friede übers Weltenreich,

so denkt nicht mehr an meinen Hügel,
 denn von den Sternen grüß‘ ich euch!

Annette von Droste-Hülshoff

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Mit den Flügeln der Zeit fliegt die Traurigkeit davon.

Jean de la Fontaine

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Ausgang
Immer enger, leise, leise,
 ziehen sich die Lebenskreise, 
schwindet hin, was prahlt und prunkt,

schwindet Hoffen, Hassen, Lieben. 
Und ist nichts in Sicht geblieben, 
als der letzte dunkle Punkt.
Theodor Fontane

Steh‘ nicht weinend an meinem Grab, ich bin nicht dort unten, ich schlafe nicht.

Ich bin tausend Winde, die weh’n, ich bin das Glitzern der Sonne im Schnee,
ich bin das Sonnenlicht auf reifem Korn, ich bin der sanfte Regen im Herbst.
Wenn Du erwachst in der Morgenfrühe, bin ich das schnelle Aufsteigen der Vögel im kreisenden Flug.      
Ich bin das sanfte Sternenlicht in der Nacht.

Steh‘ nicht weinend an meinem Grab, ich bin nicht dort unten, ich schlafe nicht.

Joyce Fossen

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Wer einen Fluss überquert, muss die eine Seite verlassen.

Mahatma Gandhi

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Lass mich schlafen,
bedecke nicht meine Brust mit Weinen und Seufzen,
sprich nicht voller Kummer von meinem Weggehen,
sondern schließe deine Augen,
und du wirst mich unter euch sehen,
jetzt und immer.

Khalil Gibran

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Dämmrung senkte sich von oben,
Schon ist alle Nähe fern;
Doch zuerst emporgehoben
Holden Lichts der Abendstern!

Alles schwankt ins Ungewisse,
Nebel schleichen in die Höh‘;
schwarzvertiefte Finsternisse
widerspiegelnd, ruht der See.

Nun am östlichen Bereiche
ahn‘ ich Mondenglanz und Glut,
Schlanker Weiden Haargezweige
scherzen auf der nächsten Flut.

Durch bewegter Schatten Spiele
zittert Luna’s Zauberschein,
Und durchs Auge schleicht die Kühle
sänftigend ins Herz hinein.

Johann Wolfgang von Goethe

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Ich höre auf zu leben,
 aber ich habe gelebt;
 so leb auch du,
 mein Freund, gern und mit Lust,

und scheue den Tod nicht.

Johann Wolfgang von Goethe

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Der Tod ist gewissermaßen eine Unmöglichkeit, 
die plötzlich zur Wirklichkeit wird.

Johann Wolfgang von Goethe

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Abschied
Traurig ist’s wenn Menschen gehen 
in das unbekannte Land.
 Nie mehr können wir sie sehen

oder spüren eine Hand. Doch sie sind vorrausgegangen,
 halten uns die Tore auf,

werden einstens uns umfangen, 
wenn zu End‘ der Lebenslauf.

Lisl Güthoff

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Es weht der Wind ein Blatt 
vom Baum, 
von vielen Blättern eines. 
Das eine Blatt man merkt es kaum,

denn eines ist ja keines.
 Doch dieses eine Blatt allein, 
war Teil von unserem Leben.

Drum wird dies eine Blatt allein 
uns immer wieder fehlen.

Johann Wolfgang von Goethe

textrenner-50

In dem Moment, in dem man erkennt,
dass den Menschen, den man liebt,
die Kraft zum Leben verlässt,
wird alles still.

Iris Gumpert.

textrenner-50

Für alles was war – danke! 
Zu allem, was sein wird – Ja!

Dag Hammerskjöld

Nur der verwandte Schmerz entlockt uns die Träne,
und jeder weint eigentlich für sich selbst.

Heinrich Heine

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Flügelt ein kleiner blauer Falter vom Wind geweht,
ein perlmutterner Schauer,
glitzert, flimmert, vergeht.

So mit Augenblicksblinken,
so im Vorübergehn,
sah ich das Glück mir winken,
glitzern, flimmern, vergehn.

Hermann Hesse

textrenner-50

Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe bereit zum Abschied sein, und Neubeginnen.

Hermann Hesse

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Stufen

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
 dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,

blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
 zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.

Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe bereit zum Abschied sein und Neubeginnen,
 um sich
in Tapferkeit und ohne Trauern
 in andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, 

der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
 an keinem wie an einer Heimat hängen.
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen.
 Er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten.

Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise 
und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen.
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
 mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
 uns neuen Räumen jung entgegen senden,
des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

Hermann Hesse

textrenner-50

Anfangs wollt ich fast verzagen 
und ich glaubt, ich trüg es nie.

Und ich hab es doch getragen,
 aber fragt mich nur nicht wie!

Heinrich Heine

textrenner-50

Schlafen, Schlafen, nichts als Schlafen!
Kein Erwachen, keinen Traum!
Jener Wehen, die mich trafen,
leisestes Erinnern kaum!
Daß ich, wenn des Lebens Fülle
niederklingt in meine Ruh,
nur noch tiefer mich verhülle,
fester tu die Augen zu.

Friedrich Hebbel

textrenner-50

Über die Welt hin ziehen die Wolken.
Grün durch die Wälder
Fließt ihr Licht.
Herz, vergiß!

In stiller Sonne
Webt lindernster Zauber;
Unter wehenden Blumen blüht tausend Trost.
Vergiß! Vergiß!

Aus fernem Grund pfeifft, horcht, ein Vogel….
Er singt sein. Lied.
Das Lied vom Glück, Vom Glück.

Arno Holz

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Die letzte Fahrt

Mein Vater kam im Weidengrau
 und schritt hinab zum See,

das Haar gebleicht vom kalten Tau,
 die Hände rau vom Schnee.

           
Er schritt vorbei am Grabgebüsch,
 er nahm den Binsenweg.

Hell hinterm Röhricht sprang der Fisch,
 das Netz hing naß am Steg.


Sein altes Netz, es hing beschwert, 
er stieß die Stange ein.

Der schwarze Kahn, von Nacht geteert, 
glitt in den See hinein.


Das Wasser seufzte unterm Kiel,
 er stakte langsam vor.

Ein bleicher Streif vom Himmel fiel 
weithin durch Schilf und Rohr.


Die Reuse glänzte unterm Pfahl,
 der Hecht schlug hart und laut.

Der letzte Fang war schwarz und kahl, 
das Netz zerriss im Kraut.


Die nasse Stange auf den Knien, 
die Hand vom Staken wund,

er sah die toten Träume ziehn 
als Fische auf dem Grund.


Er sah hinab an Korn und Schnur,
 was grau als Wasser schwand,

sein Traum und auch sein Leben fuhr
 durch Binsen hin und Sand.


Die Algen kamen kühl gerauscht, 
er sprach dem Wind ein Wort.

Der tote Hall, dem niemand lauscht,
 sagt es noch immerfort.


Ich lausch dem Hall am Grabgebüsch,
 der Tote sitzt am Steg.

In meiner Kanne springt der Fisch
. Ich geh den Binsenweg.

Peter Huchel

textrenner-50

Geh schlafen, mein Herz- 
tief in den Himmel verklingt 
traurig der letzte Stern.

Noch eine Nachtigall singt 
fern – fern. 

Geh schlafen, mein Herz, es ist Zeit. 
Kühl weht die Ewigkeit.

Matt im Schoß liegt die Hand,
einst so tapfer am Schwert.
War, wofür du entbrannt,
Kampfes wert?
Geh schlafen, mein Herz, es ist Zeit.
Kühl weht die Ewigkeit.

Ricarda Huch

textrenner-50

Nicht alle Schmerzen sind heilbar, 
manche schleichen sich tiefer und tiefer ins Herz hinein

und während Tage und Jahre verstreichen, 
werden sie zu Stein. 

Du sprichst und lachst,
als wenn nichts wäre, 
sie scheinen zerronnen wie Schaum.
 Doch du spürst ihre lastende Schwere

bis in den Traum. 


Der Frühling kommt mit Wärme und Helle, 
die Welt wird ein Blütenmeer, 

aber in meinem Herzen ist eine Stelle, 
da blüht nichts mehr

Ricarda Huch

textrenner-50

Weil du nicht da bist, sitze ich und schreibe all meine Einsamkeit auf dies Papier.

Ein Fliederzweig schlägt an die Fensterscheibe.
 Die Maiennacht ruft laut. Doch nicht nach mir.
Weil du nicht da bist, ist der Bäume Blühen,
 der Rosen Duft vergebliches Bemühen,

der Nachtigallen Liebesmelodie nur in Musik gesetzte Ironie.
Weil du nicht da bist, flücht ich mich ins Dunkel.
 Aus fremden Augen starrt die Stadt mich an. 

Mit grellem Licht und lärmendem Gefunkel,
 dem ich nicht folgen, nicht entgehen kann.
Hier unterm Dach sitz ich beim Lampenschimmer,
 den Herbst im Herzen, Winter im Gemüt.

November singt in mir sein graues Lied.
»Weil du nicht da bist« flüstert es im Zimmer.
»Weil du nicht da bist« rufen Wand und Schränke,
 verstaubte Noten über dem Klavier. 

Und wenn ich endlich nicht mehr an dich denke,
 die Dinge um mich, reden nur von dir.
Weil du nicht da bist, blättre ich in Briefen und weck vergilbte Träume,
die schon schliefen.
 Mein Lachen, Liebster, ist dir nachgereist.
Weil du nicht da bist, ist mein Herz verwaist.

Mascha Kaleko

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„Letztes Lied“

Ich werde fortgehn, Kind.
 Doch du sollst leben und heiter sein.

In meinem jungen Herzen
 brannte das goldene Licht.
 Das hab ich Dir gegeben.
Das Fest ist aus, 
der Geigenton verklungen.
 Gesprochen ist das letzte Wort. 

Bald schweigt auch sie, 
die dieses Lied gesungen.
 Sing Du es weiter, Kind, 
denn ich muss fort.
Den Becher trank ich leer
 im raschen Zug,
 und weiß, wer davon kostet,
 muss sterben.

Du aber, Kind, 
sollst erben
 und all den Segen, 
den es in sich trug.
Mir war das Leben
 wie ein Wunderbaum,
von dem in Sommernächten Psalmen tönen.

Nun sind die Tage
 wie ein geträumter Traum, 
und alle meine Nächte,
 alle Tränen.
Und war es froh.
 Mein Herz war so bereit.
Und Gott war gut.
 Nun nimmt er alle Gaben.

In Deiner Seele, Kind,
 kommt einst die Zeit. 
Soll, was ich nicht erlebt, 
Erfüllung haben.
Ich werde still sein,
 doch mein Lied geht weiter.
 Gib ihm Deinen klaren, reinen Ton.

Du sei ein großer Mann,
 mein kleiner Sohn.
 
Ich bin so müde,
 aber Du sei heiter.

Mascha Kaleko

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Ich werde fortgehn im Herbst

Ich werde fortgehn im Herbst,
wenn die grauen Trauerwolken
meiner Jugend mich mahnen.
Keine Fahnen werden flattern,
keine Böller knattern.
Krähen werden aus dem Nebel schrein;
Schweigen, Schweigen, Schweigen
hüllt mich ein.
Ich werde gehen, wie ich kam.
Allein.

Mascha Kaleko

textrenner-50

Ein sogenannter schöner Tod

Eines Morgens wachst du auf und bist nicht mehr am Leben.
Über Nacht, wie Schnee und Frost, hat es sich begeben.
Aller Sorgen dieser Welt
bist du nun enthoben.
Krankheit, Alter, Ruhm und Geld
sind wie Wind zerstoben.
Friedlich sonnst du dich im Licht
einer neuen Küste,
Ohne Ehrgeiz, ohne Pflicht.
-Wenn man das nur wüßte!

Mascha Kaleko

textrenner-50

Die Zeit steht still

Die Zeit steht still.
 Wir sind es, die vergehen. 
Und doch, wenn wir im Zug vorüberwehen,

scheint Haus und Feld und Herden, die da grasen,
 wie ein Phantom an uns vorbeizurasen.

Da winkt uns wer, und schwindet wie im Traum, 
mit Haus und Feld, Laternenpfahl und Baum.


So weht wohl auch die Landschaft unsres Lebens
an uns vorbei zu einem andern Stern
,
und ist im Nahekommen uns schon fern.
 Sie anzuhalten suchen wir vergebens
 und wissen wohl,
dies alles ist nur Trug.

 Die Landschaft bleibt, indessen unser Zug
 zurücklegt,
die ihm zugemessnen Meilen.

 Die Zeit steht still. 
Wir sind es, die enteilen.

Mascha Kaleko

textrenner-50

Mut zur Trauer

Sei traurig, wenn Du traurig bist,
und steh nicht stets
vor deiner Seele Posten!

Den Kopf, der dir ans Herz gewachsen ist,
wird’s schon nicht kosten.

Erich Kästner

textrenner-50

Alle weltlichen Dinge sind ein Traum im Frühling.
Betrachte den Tod als Heimkehr.

Konfuzius.

textrenner-50

Wenn man Freud und Leid miteinander teilt, wächst man zusammen.

Adolph Kolping

textrenner-50

Die Zeit heilt nicht alles; aber sie rückt vielleicht das Unheilbare aus dem Mittelpunkt.

Ludwig Marcuse

textrenner-50

Ich bin nicht tot,
ich tausche nur die Räume,
ich leb in euch,
und geh durch eure Träume.

Michelangelo

textrenner-50

Wer Schmetterlinge lachen hört

Wer Schmetterlinge lachen hört, 
der weiß, wie Wolken schmecken,

der wird im Mondschein 
ungestört von Furcht, 
die Nacht entdecken.
 

Der wird zur Pflanze, wenn er will ,
zum Tier, zum Narr, zum Weisen,

und kann in einer Stunde
 durchs ganze Weltall reisen.



Er weiß, dass er nichts weiß, 
wie alle andern auch nichts wissen, 

nur weiß er was die anderen
 und er noch lernen müssen.


Wer in sich fremde Ufer spürt,
 und Mut hat sich zu recken,

der wird allmählich ungestört,
 von Furcht sich selbst entdecken.


Abwärts zu den Gipfeln
 seiner selbst, blickt er hinauf,

den Kampf mit seiner Unterwelt, 
nimmt er gelassen auf.

Wer Schmetterlinge lachen hört, 
der weiß wie Wolken schmecken,

der wird im Mondschein ungestört von Furcht, 
die Nacht entdecken.


Der mit sich selbst in Frieden lebt, 
der wird genauso sterben,

und ist selbst dann lebendiger,
 als alle seine Erben.

Carlo Karges

textrenner-50

Freies Geleit
Da wird ein Ufer
Zurückbleiben.
Oder das End eines
Feldwegs.

Noch über letzte Lichter hinaus
Wird es gehen.
Aufhalten darf uns
niemand und nichts!

Da wird sein
Unser Mund
Voll Lachens—

Die Seele
Reiseklar—

Das All nur eine schmale Tür,
angelweit offen —

Heinz Piontek

textrenner-50

Niemand weiß, was der Tod ist,
ob er nicht für den Menschen
das Größte ist unter allen Gütern.
Sie fürchten ihn aber, als wüssten sie gewiss,
dass er das größte Übel ist.

Platon

textrenner-50

Am Ende meines Weges

Am Ende meines Weges ist ein tiefes Tal.

Ich werde nicht weiterwissen.

Ich werde mich niedersetzen und verzweifelt sein.


Ein Vogel wird kommen und über das Tal fliegen, 
und ich werde wünschen, ein Vogel zu sein.

Eine Blume wird leuchten jenseits des Abgrundes, 
und ich werde wünschen, eine Blume zu sein. 

Eine Wolke wird über den Himmel ziehen,
 und ich werde eine Wolke sein wollen.


Ich werde mich selbst vergessen.


Dann wird mein Herz leicht werden 
wie eine Feder, 
zart wie eine Margerite, 

durchsichtig wie der Himmel.



Und wenn ich aufblicke, 
wird das Tal nur ein kleiner Sprung sein

zwischen Zeit und Ewigkeit.

Wolfgang Poeplau

textrenner-50

Nichts war umsonst
Wenn wir einmal gehen müssen – was bleibt?
Es ist die Liebe,
die wir in andere Herzen gelegt haben;
Es ist die Hoffnung,
die wir anderen Menschen geschenkt haben;
und der Glaube,
der uns auf ein Wiedersehen hoffen lässt;
Es ist der Trost,
den wir verbreitet haben;
und es ist der Gedanke an unsere Arme,
die uns beschützt haben;
die schönen Worte,
die wir gesprochen haben
Das alles bleibt – nichts war umsonst

Hildegard Peresson

textrenner-50

Nie erfahren wir unser Leben stärker,
als in großer Liebe und in tiefer Trauer.

Rainer Maria Rilke

textrenner-50

Schlußstück

Der Tod ist groß
. Wir sind die Seinen, lachenden Munds.

Wenn wir uns mitten im Leben meinen
, wagt er zu weinen, 
mitten in uns.

Rainer Maria Rilke

textrenner-50

Wenn ich tod bin,
darfst du gar nicht trauern.
Meine Liebe wird mich überdauern,
und in fremden Kleidern Dir begegnen,
und Dich segnen.

Joachim Ringelnatz

textrenner-50

Erinnerungen sind kleine Sterne,
die tröstend in das Dunkel unserer Trauer leuchten.
Und wenn du dich getröstet hast,
wirst du froh sein, mich gekannt zu haben.

Du wirst immer mein Freund sein.
Du wirst dich daran erinnern,
wie gerne du mit mir gelacht hast.

Antoine de Saint-Exupéry

textrenner-50

Es wird dir Schmerz bereiten,
es wird aussehen, als wäre ich tot,
aber das wird nicht wahr sein…

Wenn du bei Nacht den Himmel anschaust,
wird es sein, als lachten alle Sterne,
weil ich auf einem von ihnen wohne,
weil ich auf einem von ihnen lache.
Du allein wirst Sterne haben, die lachen können.

Und wenn du dich getröstet hast,
wirst du froh sein, mich gekannt zu haben.

Du wirst Lust haben, mit mir zu lachen.
Und deine Freunde werden erstaunt sein,
wenn sie sehen, dass du den Himmel anblickst und lachst.

Antoine de Saint Exupéry

textrenner-50

Und es ist doch Liebe …



Was die Menschen sagen, 
weiß ich alles schon. Aber was sie tragen, 
flüstert kaum ein Ton.


Und es ist doch Liebe, 
was zusammenhält,
 die sonst sinnlos bliebe,
 diese wirre Welt.

Richard von Schaukal

textrenner-50

Das einzig Wichtige im Leben sind
die Spuren von Liebe,
die wir hinterlassen,
wenn wir weggehen.

Albert Schweitzer

textrenner-50

Was ein Mensch an Gutem
in die Welt hinausgibt,
geht nicht verloren.

Albert Schweitzer

textrenner-50

Nicht aufgeben
Sucht ein Unglück dich heim
Klage nicht

Sonne und Wind
Sind für alle da
Träumen kann jeder
Wie es ihm gefällt

Selbst wenn mir ein Unglück widerfährt
Bin ich glücklich am Leben zu sein

Auch ihr dürft nicht aufgeben.

Toyo Shibata

textrenner-50

An mich selbst

Tränen
Gleich dem tropfenden Wasserhahn
Versiegen nicht von allein

Ganz gleich wie schwer
Und traurig etwas ist
Weinen wird nichts nützen

Drehen wir doch
Mit aller Kraft
Den Wasserhan zu
Werden die Tränen sogleich versiegen

Nehmen wir eine frische Tasse
Für unseren Kaffee

Toyo Shibata

textrenner-50

Wir wandern
zwischen Zeit und Raum,
sind Ewigkeit
und wissen’s kaum.

Angelus Silesius

textrenner-50

Und legt der Hauch des Tages 
am Abend sich zur Ruh´,

send´ ich als Stern vom Himmel
 Euch meine Grüße zu.

Ina Silbersand

textrenner-50

Am einsamen Grab

Wer steht
 an meinem Grab
, wer pflanzt
 Blumen darauf, 
wer schickt 
Erinnerung hinab
und Gebete
 zum Himmel hinauf ? 

Der Tod
 umfing mich sacht, 
ich fühlte mich 
grenzenlos,

er trug mich wie ein Kind
 auf Gottes 
gütigen Schoß. 

Dort bin ich 
nun geborgen, 

in alle Ewigkeit, 
denk an mich 
und denk
 an Dich
, es kommt 
auch Deine Zeit !

Joseph Albert Stöckl

textrenner-50

So dunkel sind die Straßen,
So herbstlich geht der Wind;
Leb wohl, meine weiße Rose,
Mein Herz, mein Weib, mein Kind!

So schweigend steht der Garten,
Ich wandre weit hinaus;
Er wird dir nicht verraten,
Daß ich nimmer kehr nach Haus.

Der Weg ist gar so einsam,
Es reist ja niemand mit;
Die Wolken nur am Himmel
Halten gleichen Schritt.

Ich bin so müd zum Sterben;
Drum blieb‘ ich gern zu Haus
Und schliefe gern das Leben
Und Lust und Leiden aus.

Theordor Storm

textrenner-50

Beginn des Endes

Ein Punkt nur ist es, kaum ein Schmerz,
 Nur ein Gefühl, empfunden eben;

Und dennoch spricht es stets darin,
Und dennoch stört es dich zu leben.
Wenn du es andern klagen willst,
 so kannst du’s nicht in Worte fassen.

Du sagst dir selber: »Es ist nichts!«
Und dennoch will es dich nicht lassen.
So seltsam fremd wird dir die Welt,
und leis verlässt dich alles Hoffen,

Bist du es endlich, endlich weißt,
 Dass dich des Todes Pfeil getroffen.

Theodor Storm

textrenner-50

Wie wenn das Leben wär nichts andres
 als das Verbrennen eines Lichts!

Verloren geht kein einzig Teilchen, 
jedoch wir selber gehn ins Nichts!

Denn was wir Leib und Seele nennen, 
so fest in eins gestaltet kaum, 

es löst sich auf in tausend Teilchen 
und wimmelt durch den Raum.

Es waltet stets dasselbe Leben.

Natur geht ihren ew’gen Lauf; 
in tausend neu erschaffnen Wesen
,
steh’n diese tausend Teilchen auf.

Theodor Storm

textrenner-50

Trost für Dich

Komm zu mir in meinen Arm,
ich halte deine Seele warm.
Und wenn du denkst, du kannst nicht mehr,
geb‘ ich von meiner Kraft was her.
Ich denk’ an Dich, sei Dir gewiss
Weil du in meinem Herzen bist!

Andrea Strahl

textrenner-50

Leuchtende Tage,
nicht weinen, dass sie vorüber,
lächeln, dass sie gewesen.

Rabindranath Tagore

textrenner-50

Haltet alle Uhren an, 
lasst die Telefone abstellen,

hindert den Hund daran,
 den saftigen Knochen anzubellen
.
Klaviere sollen schweigen 
und mit gedämpftem Trommelschlag 
lasst die Trauernden nun kommen,

tragt heraus den Sarg.



Lasst Flugzeuge kreisen,
 klagend im Abendrot 
an den Himmel schreiben 
die Botschaft: ER IST TOT! 

Lasst um die weißen Hälse der Tauben
 Kreppschleifen schlagen 
und Verkehrspolizisten
schwarze 
Baumwollhandschuhe tragen.



Er war mein Nord, mein Süd,
 mein Ost, mein West. 
Meine Arbeitswoche und
 mein Sonntagsfest.

Mein Gespräch, mein Lied
, mein Tag, meine Nacht, 
ich dachte, Liebe währet ewig, falsch gedacht.

Die Sterne sind jetzt unerwünscht. 
Löscht jeden davon aus, 
verhüllt auch den Mond 

und nieder reisst die Sonn.

Fegt die Wälder zusammen
 und gießt aus den Ozean,

weil nun 
nichts mehr je wieder gut werden kann.

Aus dem Film „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“

textrenner-50

Der Tod ist kein Abschnitt des Daseins, 
sondern nur ein Zwischenereignis,

ein Übergang aus einer Form des endlichen Wesens 
in eine andere.



Friedrich Freiherr von Humboldt

textrenner-50

Grabspruch

Je länger du dort bist,
um so mehr bist du hier,
je weiter du fort bist,
um so näher bei mir.

Du wirst mir notwendiger,
als das tägliche Brot ist –
du wirst lebendiger,
je länger du tot bist.

Börries von Münchhausen

textrenner-50

Wir sterben viele Tode, solange wir leben.
Der letzte ist nicht der bitterste.

Karl Heinrich Waggerl

textrenner-50

Wenn du stirbst, stirbt nur dein Werden. 
Gönn‘ ihm keinen Blick zurück.

In der Zeit muss alles sterben, aber nichts im Augenblick.

Konstantin Wecker

textrenner-50

Wenn ich Abschied nehme, will ich leise gehen,
keine Hand mehr drücken, nimmer rückwärts sehn.

In dem lauten Saale denkt mir keiner nach,
dankt mir keine Seele, was die meine sprach.

Morgendämmrung weht mir draussen um das Haupt,
und sie kommt, die Sonne, der ich noch geglaubt.

Lärmt bei euren Lampen und vergeßt mich schnell!
Lösche, meine Lampe! – Bald ist alles hell!

Carl Weitbrecht